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#15 Zeig, was du tust! Behind the Scenes als Marketing-Waffe

21. März 2026 • 6 Min. Lesezeit

Weinglas vor Weingarten - Behind the Scenes

Bildquelle: Unsplash.com – Lizenzfrei

5:30 Uhr morgens. Kalt. Dunkel. Franz steht im Weinkeller, die Stiefel noch vom gestrigen Traubenmost verklebt. Er kontrolliert die Fässer, wischt sich die Hände an der Schürze ab – und zückt sein Handy.

30 Sekunden Video. Fass, Tropfen, sein Gesicht im Halbdunkel. Kein Schnitt, kein Filter. Dazu tippt er: „5:30. Die Fässer arbeiten. Wird ein guter Jahrgang."

347 Likes. 28 Kommentare. 15 neue Follower.

Am Tag zuvor hatte er ein professionelles Foto seiner neuen Weinflasche gepostet. Schönes Licht, perfektes Logo, Preisangabe. Ergebnis? 42 Likes. 2 Kommentare.

Was ist da passiert?

Die Ära der perfekten Feeds ist vorbei

Die Zahlen sind eindeutig: 76% aller Marketer bestätigen laut dem HubSpot Global Social Media Trends Report 2025, dass authentischer Content besser performt als hochproduzierter.

Und es geht noch weiter:

  • 90% der Konsumenten sagen, dass Authentizität entscheidend ist, welche Marken sie unterstützen
  • User-Generated Content bekommt auf Instagram 28% mehr Engagement als polierte Marken-Posts
  • Auf TikTok hat authentischer Content eine 35% höhere Watch-Through-Rate

Und das Wichtigste: Authentizität ist das, was Konsumenten am meisten vermissen – laut Sprout Social die Nummer 1, die sie von Marken auf Social Media nicht genug sehen.

Warum unser Gehirn „echt" bevorzugt

Drei psychologische Effekte arbeiten hier zusammen:

1. Der Transparenz-Effekt: Wenn Kunden den echten menschlichen Aufwand hinter einem Produkt sehen, bauen sie eine emotionale Bindung auf. Vertrauen entsteht nicht durch schöne Bilder – sondern durch Einblick in die Realität.

2. Der IKEA-Effekt: Was wir selbst (mit)erleben, schätzen wir höher. Wenn deine Follower sehen, wie 500 Trauben zu einer Flasche Wein werden, fühlt sich der Preis plötzlich gerechtfertigt an. Die 48 Stunden, die dein Sauerteigbrot braucht, machen es wertvoller.

3. Authentizität als Knappheitsgut: In einer Welt voller KI-generierter Bilder und kuratierter Perfektion sticht echtes, unperfektes Content hervor. Gerade weil es selten geworden ist.

Was du zeigen kannst (und sollst!)

Du denkst vielleicht: „Ja, aber bei mir passiert doch nichts Spannendes."

Falsch. Komplett falsch.

Auch die Landwirtschaftskammer Salzburg empfiehlt in ihrem Social-Media-Leitfaden 2025 genau diesen Ansatz für Bauernhöfe und Direktvermarkter. Hier sind ihre – und unsere – besten Ideen:

Morgenroutine – Um wie viel Uhr stehst du auf? Was ist das Erste, das du machst? Die Leute lieben „Day in the Life"-Content. Sonnenaufgang am Hof mit einer persönlichen Notiz – fertig.

Der Herstellungsprozess – Wie wird dein Käse gemacht? Wie wird der Wein abgefüllt? Wie backst du dein Brot um 3 Uhr früh? Jeder einzelne Schritt ist Content.

Dein Team und deine Tiere – „Das ist Max, unser kleiner Entdecker" – mit einem Foto vom neugierigsten Huhn im Stall. Oder die fleißige Maria, die seit 20 Jahren dabei ist. Menschen folgen Menschen (und Tieren).

Pannen und Missgeschicke – Der umgekippte Korb Äpfel. Der Traktor, der nicht anspringt. Das Brot, das ein bisschen zu dunkel geworden ist. Das sind die Momente, die Sympathie erzeugen.

Ein kleines Weingut in Israel hat das perfekt gemacht: Ein Reel, das die romantische Vorstellung von Weinmachen (Sonnenuntergang, Weinglas) mit der Realität kontrastiert (klebrige Hände, verschmutzte Stiefel, Bürokratie). Das Ergebnis: enormes Engagement und echte Community.

Die Jahreszeiten – Ernte-Updates: „Heute haben wir die Apfelernte abgeschlossen!" – Erster Frost, erste Blüte, Weinlese. Dein Betrieb erzählt eine Geschichte ganz von selbst, du musst sie nur filmen.

Der perfekte Behind-the-Scenes-Post: 3 Schritte

Schritt 1: Nimm dein Handy raus, wenn du gerade etwas „Normales" machst.

Schritt 2: Mach ein Foto oder ein kurzes Video (15-30 Sekunden reichen).

Schritt 3: Schreib 1-2 Sätze dazu. Keine Werbung. Einfach erzählen, was du gerade tust.

Das war's. Ernst gemeint.

Wie oft?

Die Empfehlung für 2025: Konsistenz schlägt Frequenz.

Ein authentisches Reel pro Woche performt besser als tägliche polierte Posts. Nutze Stories für die schnellen Alltags-Momente – Polls, Frage-Sticker, Countdown zu neuen Produkten.

Und der wichtigste Tipp, den auch die Landwirtschaftskammer betont: Wähle EINE Plattform und mach sie richtig. Instagram für visuelle Geschichten. Facebook für die lokale Community. TikTok für jüngeres Publikum. Aber nicht alle drei halbherzig.

Dein unfairer Vorteil

Große Marken geben Millionen aus, um Authentizität zu simulieren. Die engagieren Regisseure, die „authentisch wirkende" Spots drehen. Die zahlen Influencer, damit sie „spontan" ihr Produkt zeigen.

Du? Du hast echte Authentizität. Jeden Tag. Gratis.

Dein Alltag ist der Content. Dein Weinkeller, dein Hofladen, deine Backstube – das hat niemand anderer. Das kann kein Mitbewerber kopieren. Und kein Budget der Welt kaufen.

Du musst es nur zeigen.

Kurz zusammengefasst: Was können wir hier mitnehmen?

  • 76% der Marketer bestätigen: Authentischer Content schlägt polierten Content.
  • Zeig deinen Alltag: Morgenroutine, Herstellung, Team, Tiere, Pannen, Jahreszeiten.
  • Je unperfekter, desto glaubwürdiger. Smartphone reicht.
  • Ein authentisches Reel pro Woche > tägliche Hochglanz-Posts.
  • Wähle EINE Plattform und mach sie richtig.
  • Dein Alltag ist dein bester Content – den kann niemand kopieren.

Wenn's euch gefallen hat, dann erzählt's gerne euren Freund*innen, Kund*innen oder ganz einfach am Dorfstammtisch weiter. Wir würden uns freuen!

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