Use Case

#20 wie ein waldviertler bauer mit einem foto viral ging

22. März 2026 • 7 Min. Lesezeit

Bauer mit Smartphone auf dem Feld bei Sonnenuntergang

Bildquelle: Marketing G'schichten

2022. Ein junger Bauer aus Österreich stellt sein Handy auf den Traktor. Er filmt sich bei der Arbeit. Erde, Staub, Sonnenuntergang.

Er postet es. Geht schlafen.

Am nächsten Morgen: 5 Millionen Views.

Sein Name: Gabriel Spettel. Sein Account: @spezialeinheit_agrar. Heute hat er 105.000 Follower auf Instagram und 46.200 auf TikTok.

Er ist Österreichs größter Agrar-Influencer.

Und er hat kein einziges Mal eine Agentur bezahlt.

Junger Bauer steht in einem Weizenfeld, Smartphone in der Hand, goldenes Abendlicht

Bildquelle: Unsplash – Taylor Siebert

das phänomen #farmtok

Gabriel ist kein Einzelfall. Er ist Teil einer Bewegung, die gerade die Landwirtschaft umkrempelt.

#FarmTok – die Bauernhof-Ecke von TikTok und Instagram – hat einen geschätzten Impact von 24,2 Milliarden Dollar. Nicht Millionen. Milliarden.

Und 67% der kleinen Bauernhöfe weltweit nutzen mittlerweile Social Media für ihr Geschäft.

Warum? Weil die Leute verrückt danach sind.

Die Psychologie dahinter ist simpel:

  • Nostalgie. Die meisten Menschen leben in Städten. Bauernhof-Content weckt Sehnsucht nach einer einfacheren Welt.
  • ASMR. Erde, die durch Finger rieselt. Milch, die in den Eimer spritzt. Äpfel, die vom Baum fallen. Das ist meditativ.
  • Authentizität. Kein Filter. Kein Drehbuch. Echte Menschen bei echter Arbeit.
  • Verbindung zum Essen. Die Leute wollen wissen, woher ihr Essen kommt. Und sie wollen die Person sehen, die es produziert.

die österreichischen stars, die du kennen solltest

Österreich hat eine eigene Agrar-Influencer-Szene. Und sie wächst rasant.

Traktor fährt bei Sonnenuntergang über ein Feld, dramatisches Licht

Bildquelle: Unsplash – Todd Trapani

gabriel spettel (@spezialeinheit_agrar)

105.000 Instagram-Follower. 46.200 TikTok-Follower.

Startete 2022 mit Traktor-Videos. Eines ging sofort viral – 5 Millionen Views. Seitdem: Österreichs größter Agrar-Influencer.

Sein Geheimnis? Er zeigt den Bauernalltag, wie er ist. Hart. Dreckig. Schön. Und er hat Humor.

heidi riedlbauer (@leben_am_hof)

62.000 Instagram-Follower.

Bio-Bäuerin. Zeigt das Leben auf dem Hof, ohne es zu romantisieren. Ein einziges Video erreichte 1,3 Millionen Views.

Keine Profi-Kamera. Kein Team. Nur sie, ihr Handy und ihre Kühe.

madeleine becker (@frau_freudig)

Gewinnerin des ALFI Awards (Austrian Land- und Forst Influencer Award). Autorin des Spiegel-Bestsellers "Vom Hörsaal in den Kuhstall."

Sie hat gezeigt, dass eine Bäuerin gleichzeitig Influencerin und Autorin sein kann. Ohne ihre Authentizität zu verlieren.

patrick strassburger (@agrarfluencer)

Ausgezeichnet als "Bester Agri-TikToker 2023." Der Name ist Programm.

und international: shay myers (@shayfarmkid)

Falls du noch nicht überzeugt bist: Shay Myers postete ein Video, in dem er Spargel erntet. Simpel. 30 Sekunden. Spargel aus dem Boden ziehen.

2,4 Millionen Views.

Und dann? 6.100 Menschen kamen auf seine Farm, um selbst Spargel zu ernten. Sechstausendeinhundert. Wegen einem 30-Sekunden-Video.

der alfi award: social media wird ernst genommen

Seit 2023 gibt es den ALFI Award – den Austrian Land- und Forst Influencer Award. Eine offizielle Auszeichnung für die besten Agrar-Influencer Österreichs.

Das zeigt: Die Landwirtschaft hat verstanden, dass Social Media kein Spielzeug ist. Es ist ein Vertriebskanal.

Die Betriebe, die heute anfangen, haben in zwei Jahren einen Vorsprung, den ihre Konkurrenz nie aufholen wird.

warum EIN video alles verändern kann

Lass uns über die Mathematik reden.

Du postest ein Video. 30 Sekunden, dein Alltag. Sagen wir, es bekommt 10.000 Views. Bescheiden im Vergleich zu Gabriel Spettels 5 Millionen, aber realistisch für ein gutes erstes Video.

Von diesen 10.000:

  • 5.500 sind Nicht-Follower (55% der Reels kommen von Fremden)
  • 500 schauen dein Profil an (ca. 5% Profilbesuch-Rate)
  • 50 folgen dir (ca. 10% Follow-Rate)
  • 5 werden Kunden (ca. 10% Conversion bei lokalen Betrieben)

5 neue Kunden. Von einem 30-Sekunden-Video.

Und wenn einer davon ein Stammkunde wird (40 Euro pro Woche), sind das 2.080 Euro Umsatz im Jahr.

Von einem Video, das du zwischen Stall und Mittagessen gefilmt hast.

dein playbook: 5 lektionen von den bauern, die es geschafft haben

lektion 1: du brauchst kein budget

Gabriel Spettel hat kein Geld für Marketing ausgegeben. Heidi Riedlbauer auch nicht. Shay Myers auch nicht.

Du brauchst:

  • Ein Smartphone (das du schon hast)
  • Tageslicht (gratis)
  • Deinen Alltag (hast du auch schon)

Das war's.

lektion 2: zeig persönlichkeit statt perfektion

Die erfolgreichsten Agrar-Accounts haben eines gemeinsam: Man sieht die Person dahinter.

Nicht nur die Produkte. Nicht nur den Hof. Die Person.

Gabriel Spettel macht Witze auf dem Traktor. Heidi Riedlbauer zeigt auch die harten Tage. Madeleine Becker erzählt ihre Geschichte vom Hörsaal in den Kuhstall.

Dein Gesicht ist dein größter Vorteil. Der Supermarkt hat keins.

lektion 3: erkläre das "warum"

Die besten Videos sind gleichzeitig Bildung und Unterhaltung (Edutainment).

Nicht nur: "Hier ernte ich Kartoffeln."

Sondern: "Wusstest du, dass wir 3 Monate warten müssen, bis die Kartoffeln diese Farbe haben? Und warum? Weil..."

Die Leute wollen nicht nur sehen. Sie wollen verstehen.

lektion 4: emotionen treiben shares

Welche Videos werden geteilt? Die, die Emotionen auslösen.

  • Freude: Ein Kalb, das zum ersten Mal auf der Weide steht
  • Überraschung: "So sieht Spargelernte wirklich aus"
  • Frustration: "Wenn der Hagel die ganze Ernte zerstört"
  • Stolz: "3 Generationen auf diesem Hof"

Keine Emotion = kein Share. So einfach ist das.

Bäuerin schaut lächelnd auf ihr Smartphone, Scheune im Hintergrund

Bildquelle: Unsplash – Liana Mikah

lektion 5: ein einziges video kann alles verändern

Shay Myers: Ein Spargel-Video → 2,4 Millionen Views → 6.100 Besucher auf seiner Farm.

Gabriel Spettel: Ein Traktor-Video → 5 Millionen Views → 105.000 Follower.

Du weißt nie, welches Video es sein wird. Das erste? Das zehnte? Das hundertste?

Aber du weißt sicher: Das Video, das du nie postest, wird nie viral.

der erste schritt ist immer derselbe

Nimm dein Handy. Geh raus. Film 30 Sekunden von dem, was du heute sowieso tust.

Poste es.

Mach das eine Woche lang. Jeden Tag.

Du wirst überrascht sein, was passiert.

Kurz zusammengefasst: Was können wir hier mitnehmen?

  • #FarmTok hat 24,2 Milliarden Dollar Impact. Die Nachfrage nach authentischem Bauernhof-Content ist gigantisch.
  • Du brauchst kein Budget. Nur ein Smartphone und deinen Alltag.
  • Persönlichkeit schlägt Perfektion. Zeig dich. Nicht nur dein Produkt.
  • Bildung + Unterhaltung = Shares. Erkläre das "Warum" hinter deiner Arbeit.
  • Ein einziges Video kann alles verändern. Aber nur, wenn du es postest.

Gabriel Spettel war ein Bauer mit einem Handy. Heute erreicht er mehr Menschen als manche Werbeagentur.

Dein Traktor wartet.

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