Das Datum jährt sich nächste Woche. Der 18. September 1958. Dieser Tag ist quasi die Stunde 0 in der Geschichte der Visa-Karte.
Ursprünglich BankAmericard genannt, wurde die Kreditkarte von der gleichnamigen Bank of America als bessere Lösung zur schon existenten Diners Card ins Leben gerufen.
Der Gründer der BankAmericard war Joseph P. Williams. Er leitete die interne Entwicklungs-Abteilung der Bank of America.
Wenn du wissen willst, wie sich eine gute Idee in ein Debakel entwickelte, dann bleib' dran...
die kreditkarte war nichts neues
In den USA der 1950er Jahre war es nicht unüblich, dass ein typischer Mittelklasse-Bürger mehrere Kreditkarten von verschiedenen Händlern mit sich rumtrug. Es stellte sich bald heraus, dass dieses System für den Benutzer, wie auch für den Händler eher ineffizient ist.
Insbesondere am Ende des Monats, wo dann alle Rechnungen ins Haus flogen, erkannte man sofort, dass man mehr ausgegeben hatte, als gedacht.
Die erste Diners Card. Damals noch aus Pappe. Bildquelle: © dinersclub.com
Als Lösung zu diesem Problem gab es damals schon die bekannte Diners Card. Sie wurde auch händlerübergreifend akzeptiert. Aber die Rechnungen waren am Ende des Monats in Gänze zu begleichen.
Williams und sein Team haben es sich zur Aufgabe gemacht, zu studieren, weshalb diese Kreditkarten bisher nicht funktionierten. Sears und Mobile Oil zum Beispiel hatten Kreditkarten-Modelle, die aber auch tatsächlich in deren Geschäftsfeldern funktionierten.
frag nicht, stell sie einfach zu
Nach einer Studienphase entschied sich Williams zu einem Test. Das Testgebiet war Fresno in Kalifornien. Fresno beherbergte zur damaligen Zeit ungefähr 250.000 Einwohner und besaß somit die ideale Größe um eine Kreditkarte zu testen. Bank of America hatte gleichzeitig auch einen Marktanteil von 45 % in Fresno.
Was Williams und sein Team nun taten war einzigartig. Sie füllten die Briefkästen der Bürger von Fresno mit 65.000 BankAmericards. Also 65.000 Bewohner in Fresno bekamen einfach eine Karte zugestellt.
Die Empfänger der Karte freuten sich natürlich über die Karte. Geld ausgeben, das man nicht hat und erst später wieder begleichen? Wem gefällt diese Idee wohl nicht....
Der Test verlief anfänglich sehr gut und wurde im März 1959 auf San Francisco und Sacramento ausgeweitet. Im Juni desselben Jahres kam sogar noch Los Angeles dazu.
Ende Oktober 1959 wurden insgesamt 2 Millionen BankAmericards ausgeteilt und wurde von ungefähr 20.000 Händlern in Kalifornien akzeptiert.
Soweit so gut bis jetzt, oder?
Bildquelle: © Unsplash.com
ooopsie....
Die Karte erfreute sich immer größerer Beliebtheit. Weitere Amerikaner wollten diese Karte auch und sogar die Händler sahen das Potenzial darin. (Ladenbesucher gaben natürlich viel mehr Geld aus)
Jedoch waren schon bald über 20 % der Konten überfällig. Das waren mehr als die geplanten 4 %, und es gab zahlreiche Klagen wegen Kreditkartenbetrugs. (Gibt es heute noch)
Am Ende hat der Launch der BankAmericard die Bank of America ca. 9 Millionen US-Dollar gekostet. In diesem Betrag sind die Arbeitskosten, Werbekosten usw. noch gar nicht eingerechnet. Inklusive diesen stieg der Verlust sogar auf über 18 Millionen US-Dollar.
Ein absolutes Desaster, obwohl die Idee an und für sich sehr gut ist. Williams hatte anschließend seinen Posten geräumt und nach einer erfolgreichen PR-Kampagne wurde das Image von Bank of America auch wieder ins gute Licht gerückt.
Die BankAmericard war anschließend erst im Jahre 1961 profitabel.
Alles in Allem, kann man aber sagen, dass die Kreditkarte wohl nicht so schnell ihre Bekanntheit erlangt hätte, wenn es diese Aktion nicht gegeben hätte. Klar, hätte man einige Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigen sollen. Aber innerhalb von ca. 3 Jahren war die Kreditkarte auch schon profitabel und somit die verursachten Kosten von mind. 9 Mio. USD wieder ausgeglichen.
Knowledge-Drop: Die BankAmericard wurde in den 1970ern in VISA umgetauft und ist bis heute einer der größten Kreditkartenanbieter.
Und so sah die schöne Karte aus:
Bildquelle: © americanhistory.si.edu
die moral von der g'schicht
Die heutige Geschichte soll nicht Werbung für Kreditkarten sein. Vielmehr soll es dir zeigen, dass du mit “einfachen” Mitteln die Leute dazu bewegen kannst, deine Produkte kennenzulernen und sie auch zu nutzen.
Was spricht dagegen mal im Nachbarort eine Kiste deiner knackigen Äpfel vor die Haustür mit einem netten Zettel zu legen? Auch wenn der Empfänger keine Äpfel mag, bleibst du ihm/ihr sicher im Gedächtnis. Dass sich diese Aktion herumspricht, davon müssen wir gar nicht reden. Auf diesem Wege verwandelst du auch gleich jede*r von dir mit Äpfeln Beglückte*r in einen Multiplikator!
Quellen: washingtonpost.com, Netflix – History 101
kurz zusammengefasst: was können wir hier mitnehmen?
- Mutige Aktionen können enorm viel bewegen – aber plane Vorsichtsmaßnahmen mit ein.
- Lass deine Kund*innen dein Produkt einfach mal kostenlos ausprobieren – Äpfel vor die Haustür, Kostproben verteilen, etc.
- Selbst wenn eine Aktion schiefgeht – die Bekanntheit, die du gewinnst, kann langfristig unbezahlbar sein.
- Jede*r Beschenkte*r wird zum Multiplikator – Mundpropaganda ist die stärkste Werbung.
Wenn's euch gefallen hat, dann erzählt's gerne euren Freund*innen, Kund*innen oder ganz einfach am Dorfstammtisch weiter. Wir würden uns freuen!
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